Ohne den Mann mit Schnurrbart anzugucken, knallt Andrè die Türe zu und lehnt seinen Kopf an die Lehne des Beifahrersitzes. Seine Augen sind zu, und erstmal atmet er tief aus. „Wohin, hmm?“ Der Taxifahrer fragt Andrè so beiläufig wie die Kassiererin im Supermarkt nach der Payback-Karte. Dabei ist er eh schon längst in die falsche Richtung losgefahren. Für Andrè hätte alles so gut laufen können. Er hatte sein bestes Oberteil angezogen. Das lila-farbene. Mit nur wenig Glitzer drauf – man muss ja nicht gleich übertreiben. Marc hatte auch schon einiges intus – nein, er hatte für Kölner Verhältnisse gar nix intus, aber er war so betrunken, als hätte er – ach, was solls. Andrè schaut durch den Außenspiegel auf die Hausfassaden – eigentlich schaut er nirgendwo hin. Scheiß Heteros! SCHEISS HETEROS!

„Washasdugesagt?“ Das Taxi ist einmal im Kreis gefahren. Du Vollpfosten. VOLLPFOSTEN! Gott sei Dank hat Andrè es ist diesmal nicht laut gesagt, aber er ist kurz davor. Plötzlich sieht er Laura, wie sie angeekelt `ner Gothic-Tussi und nem pubertierenden Typen, der irgendeinen Suff in der Hand hält, hinterherstarrt. Heutzutage fängt man halt immer früher an. Zu seiner Zeit war es doch fast genauso. Die anderen haben angefangen zu trinken – Andrè ist schwul geworden. So kam es halt. Und das hat er nun davon. `ne angekotzte Mitbewohnerin und `nen vollgekotzten Mitbewohner. Warum kann er nicht einfach – während das Taxi noch immer an der Ampel steht, sieht er Laura und ihrem Vorbau hinterher.

Auf einmal kommt Marc aus dem Laden raus. Von Kotze keine Spur, dafür sieht er sofort Andrè im Taxi und winkt ihm heftig zu. GEIL, GEIL, GEIL! Andrès Wünschelrute schlägt aus. Er zittert am ganzen Körper. Was soll ich nur tun?! Ich kann doch nicht – er würde doch nicht – soll ich wirklich? Die Fußgängerampel ist schon rot, und der Taxifahrer wird hektisch: „Ja, wohin denn nun?!“

Die Entscheidung ist gefallen: André steigt aus und redet mit Marc

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